Zylinderkopfdichtung Defekt – Anzeichen, Ursachen, Folgen und Kosten​

Der komplette Ratgeber vom Profi für Laien​

Die Zylinderkopfdichtung übernimmt die Schlüsselfunktion im Verbrennungsraum. Dieses unscheinbare Bauteil ermöglicht einen reibungslosen Gasaustausch und sichert die Kreisläufe von Schmier- und Kühlmitteln. Dabei muss die Kopfdichtung hohe Belastungen standhalten. Umso gravierender sind die Folgen, wenn die Kopfdichtung defekt wird und man dieses Bauteil nicht ersetzten lässt, weil man seine Wichtigkeit unterschätzt.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, woran man eine defekte Zylinderkopfdichtung erkennt, mit welchen Kosten man für die Reparatur rechnen muss und was im schlimmsten Fall passiert, wenn man den Defekt nicht beheben lässt.

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Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Zylinderkopfdichtung?

Die Zylinderkopfdichtung, oder auch kurz als ZKD bezeichnet, ist ein wichtiges Bauteil, das in so gut wie allen Verbrennungsmotoren zu finden ist. Diese Abdichtung ist zwischen Kurbelgehäuse und Zylinderkopf eingebaut. Sie erfüllt die wichtige Aufgabe, den Verbrennungsraum und die Kühlwasser- sowie Motorölkanäle abzudichten. Darüber hinaus dient die Zylinderkopfabdichtung der Kraftübertragung zwischen den beiden Komponenten, wodurch es einen wichtigen Einfluss auf die Kraftverteilung innerhalb des Motors hat.

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► Die Zylinderkopfdichtung ist ungefähr so dick wie ein 1 Cent Stück und dichtet den Bereich zwischen Motorblock und Motorkopf.

Die Geschichte der Zylinderkopfabdichtung

Die ersten Verbrennungsmotoren, egal ob es sich dabei um einen Motor von Étienne Lenoir, Nikolaus Otto oder Gottlieb Daimler handelt, wurde mit sogenannten Sackzylindern gebaut. Durch diese Bauweise war damals keine Zylinderkopfdichtung notwendig. Die Sackzylinder waren bis in die 1930er Jahre gebräuchlich. Der bekannteste und einer der ersten Motoren mit abnehmbaren Zylinderkopf war der V4-Motor des 1898er Mors. 

Das erste Automobil mit abnehmbaren Zylinderkopf war das Ford Model T, dieses Fahrzeug kam 1908 auf den Markt. Mit der Trennung der beiden Komponenten Zylinder und Zylinderkopf war eine Abdichtung notwendig, wodurch das Konzept der Zylinderkopfdichtung, kurz als Kopfdichtung genannt, eingeführt wurde.

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Das müssen Zylinderkopfabdichtungen können

Die Dichtung muss mehrere Fähigkeiten und spezielle Eigenschaften mitbringen. Dazu zählen unter anderem eine hohe Hitzebeständigkeit, um die hohen Temperaturen des Verbrennungsraumes standhalten zu können. Darüber hinaus muss die Dichtung wärmeleitend sein, damit die Wärme schnell abgeleitet wird, um Wärmenester zu vermeiden. 

Dazu kommt auch noch eine Korrosionsbeständigkeit und hohe Druckfestigkeit, um Undichtigkeiten zu vermeiden. Elastisch sollte das Material ebenfalls sein, damit Unebenheiten und Wärmeausdehnung ausgeglichen werden können. Man erkennt schnell, dass die Zylinderkopfdichtung nicht einfach nur eine einfache Dichtung ist.

Aufgabe der Zylinderkopfdichtung im Motor

Damit sich ein Fahrzeug überhaupt bewegen kann, muss der Motorblock große Belastungen standhalten. Dementsprechend wird ein großer Teil aus einem einzigen Stück Metall gefertigt. Umso weniger fehleranfällige Schraubverbindungen der Motor hat, desto zuverlässiger funktioniert der Motor. Nichtsdestotrotz muss der Zylinderkopf, der unter anderem die Ventile erhält, abnehmbar sein. Andernfalls wären die Fertigungskosten deutlich höher und ein kaputter Motor kann auch nicht repariert werden. 

Die Verbindung zwischen Motor und Zylinderkopf wird als Zylinderkopfdichtung bezeichnet. Wenn der Mechaniker vor der offenen Motorhaube steht und meint, dass es teuer wird, meint er wahrscheinlich genau dieses Bauteil. Komplex und teuer ist die Dichtscheibe zwar nicht, doch der Ein- sowie Ausbau ist eine andere Sache.

Profi-Tipp: Das Ersatzteil bei einer defekten Zylinderkopfdichtung ist meistens nicht sehr teuer. Die meisten Kosten für die Reparatur entstehen durch die Arbeitszeit, da der Austausch der Dichtung sehr aufwendig ist.

Ursachen für eine defekte Zylinderkopfdichtung

Zylinderkopfdichtung defekt Ursachen
Die ZDK ist ein sehr sensibles Bauteil und muss mit viel Achtsamkeit und Präzision montiert werden.

Das eine Kopfdichtung einen Defekt aufweist, gehört eher zu den Ausnahmeereignissen in dem Leben eines Motors. Die Ursachen für einen Defekt sind besonders vielseitig.

Montagefehler

Wenn die Zylinderkopfdichtung nicht ausreichend gepresst wird, weil Bauteile verzogen sind und die Montage nicht den strengen Richtlinien entspricht, kann es dazu kommen, dass Undichtigkeiten auftreten, was zu einem Austritt von Verbrennungsgasen führt.


Überhitzung

Fehlfunktionen von Bauteilen, wie der Wasserpumpe oder eines Thermostats, aber auch Ablagerungen von Kalk, Flüssigkeitsmangel oder Störungen im Abgassystem können zu einer Überhitzung des Motors führen und die Zylinderkopfdichtung schädigen.


Klopfender Verbrennungsmotor

Bei einem unregelmäßigen Ablauf des Verbrennungsprozesses, zum Beispiel durch die Nutzung eines minderwertigen oder ungeeigneten Kraftstoffes, kann es zu Defekten des Dichtungsmaterials kommen.


Mechanik und Mensch

Mechanische Belastungen durch lose Teile oder forsche Fahrweise kann zu Beschädigungen am Dichtungsmaterial führen.

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Anzeichen und Symptome für einen Defekt

Wenn die Kopfdichtung defekt ist, treten diverse Warnsignale auf:

Kühlwasserverlust

Austretendes Gas verursacht eine Schwarzfärbung an der Kopfdichtung. In der Kühlflüssigkeit bilden sich Gasblasen, wodurch der Druck im Kühlsystem steigt und ein Verlust an Kühlwasser auftritt.


Öl im Kühlwasser

Öl dringt in den Kühlkreislauf ein und Ölrückstände machen sich im Kühlwasser bemerkbar, unter Umständen bildet sich Schaum im Kühlwasserbehälter. Durch den deutlichen Verlust an Kühlflüssigkeit droht eine Überhitzung des Motors.

Öl im Kühlwasser
► Eins der häufigsten Symptome ist Öl im Kühlwasserbehälter. Das Wasser und Öl vermengen ergeben die braune Farbe.

Wasser im Öl

Kühlwasser dringt in das Öl und somit in den Ölkreislauf ein an der Deckelinnenseite des Ölbehälters bildet sich ein heller Schaum. Bei Autos mit manueller Ölstands-Messung sind Wassertropfen am Peilstab sichtbar. Die Folge dieser Undichtigkeit ist ein erhöhter Verbrauch an Motoröl.


Öl- und Wasser-Austritt

Wenn Öl und Wasser aus dem Motor austreten kommt es zu Feuchtigkeit oder öligen Rückständen am Motorblock.

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Kosten für die Reparatur – Wechsel der Zylinderkopfdichtung

Der Wechsel der Zylinderkopfdichtung sollte ausschließlich von einer Fachwerkstatt durchgeführt werden, da die Instandsetzung sehr aufwendig ist. Bei einer fehlerhaften Montage kann es zu teuren Folgeschäden kommen. Die Zylinderkopfdichtung ist die Verbindung zwischen Zylinderkopf und Motorblock. Damit dieses Bauteil erreicht werden kann, muss der Zylinderkopf mit den verbundenen Aggregaten demontiert werden. 

Bei Fahrzeugen, die mit Diesel betrieben werden, befinden sich die Injektoren ebenfalls im Zylinderkopf. Die Schrauben müssen in der korrekten Reihenfolge und über verschiedene Gradstufen aus- sowie eingeschraubt werden. Die Anzugsmomente sind vom Hersteller vorgeschrieben und müssen unbedingt eingehalten werden. Die Werkstätten berechnen in den meisten Fällen, zwischen drei und zehn Arbeitsstunden für einen Wechsel der Zylinderkopfdichtung. 

Die Kosten für die Reparatur bewegen sich in einer Preisspanne von 500 bis 1.500 Euro. Allerdings kann die Reparatur deutlich teurer werden, zum Beispiel wenn der Kopf verzogen ist. Wenn das der Fall ist, muss die Dichtfläche geschliffen werden, andernfalls dichtet der Kopf, trotz einer neuen Dichtung, nicht sauber ab.

Der größte Kostenfaktor bei der Reparatur ist stets die Arbeitszeit. Es sollten immer beide Zylinderkopfdichtungen gewechselt werden. Neben einer neuen Kopfdichtung und Dehnschrauben sollten das Öl und das Kühlmittel ebenfalls ersetzt werden, da die Qualität des Öls und Wassers durch eine defekte Zylinderkopfdichtung beeinträchtigt wird.

► Die Reparatur einer defekten Kopfdichtung ist kein einfacher Eingriff und sollte stets von erfahrenen Mechanikern durchgeführt werden.

Finger weg vom Do it Yourself

Eine defekte Zylinderkopfdichtung zu wechseln kann eine aufwendige und teure Aufgabe sein. Viele fragen sich daher, ob man diese Reparatur nicht selber durchführen kann. Davon muss aber strikt abgeraten werden. Die Reparatur ist sehr kompliziert.

Im ersten Schritt muss die Steuerkette, die Leitungen und Kabel entfernt werden, danach werden die Bolzen gelöst, welche den Zylinderkopf auf dem Motorblock halten. Erst dann ist die Dichtung freigelegt. Was zwar einfach klingt, kann mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Die Dichtung kann entweder aufgelegt werden und wird, wenn es notwendig ist, mit einem Spezialkleber fixiert. 

Der Zusammenbau des Zylinderkopfes ist relativ einfach, wenn man bis jetzt keine Fehler gemacht hat. Zwischen diesen Schritten gibt es zahlreiche Details, auf die man unbedingt achten muss. Wer zum Beispiel vergessen hat, die Steuerkette korrekt zu justieren, zerstört mit dem ersten Anlassen alle Ventile, was sehr teuer wird.

Ein geübter Mechaniker schafft es, die defekte Zylinderkopfdichtung quasi im Schlaf zu wechseln. Den Preis für den Wechsel, bezahlt man nicht nur für die Arbeit, sondern auch für die Erfahrung, die ein Mechaniker mitbringt.

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Folgeschäden einer defekten Zylinderkopfdichtung

Wenn die ersten Symptome nicht erkannt werden oder übersehen werden, kann das Weiterfahren mit der kaputten Zylinderkopfdichtung zu weiteren, fortgeschrittenen Merkmalen führen.

Weitere Merkmale einer defekten Kopfdichtung sind:

  • Dunkler Rauch aus dem Auspuff (beim Starten des Motors)
  • Kühlmitteltemperaturanzeige im roten Bereich nach nur wenigen Fahrminuten
  • Schlechter Motorlauf und wenig Leistung
  • Der Motor springt nicht mehr an
  • Bei Motoren, die mit Diesel betrieben werden, funktioniert die Selbstzündung nicht mehr

Mit einer defekten Kopfdichtung weiterzufahren, führt zu weitaus gravierenden Folgen als nur komische Geräusche aus dem Motor. Die weiteren Folgen sind Auswirkungen auf den Motor, sodass es sehr schnell zum Motorschaden kommt. Das ist vor allem bei älteren Fahrzeugen der finanzielle Totalschaden.

Achtung: Falls eins der aufgeführten Anzeichen auf Ihr Auto zu trifft, suchen Sie schnellstmöglich eine Werkstatt auf. Die Weiterfahrt könnte fatale Folgeschäden hervorrufen bis hin zum kapitalen Motorschaden.

► Weißer Rauch aus dem Auspuff kann ein weiteres Anzeichen für eine defekte Kopfdichtung sein.

Weiterfahren mit einer defekten Zylinderkopfdichtung?

Sollte man mit einer defekten Zylinderkopfdichtung weiterfahren, kann das fatale Folgen für den Motor haben und stellt ein großes Sicherheitsrisiko dar. Hoher Druck durch Wasseransammlungen im Brennraum und Überhitzung kann zu irreparablen Schäden am Motor führen. Der Umfang der Reparaturkosten richtet sich danach, wie schnell die Warnsignale bemerkt werden und wie schnell reagiert wird.

Die Zylinderkopfdichtung gehört nicht zu den Verschleißteilen am Fahrzeug und sollte ein Autoleben lang halten.

Es ist strikt abzuraten, mit einer defekten Zylinderkopfdichtung weiterzufahren. Sollte die Ölleitung undicht sein, verliert das Auto mit großer Wahrscheinlichkeit Motoröl. Ab diesem Zeitpunkt ist es auch rein rechtlich nicht erlaubt, mit dem defekten Fahrzeug weiterzufahren. Das Öl kann Verunreinigungen am Boden verursachen, wo es einen gravierenden Eingriff in den Straßenverkehr darstellt. Auch die Umwelt wird verschmutzt. Wenn fahrlässiges Verhalten nachgewiesen werden kann, kommt ein hohes Bußgeld auf den Fahrer zu. Wenn Wasser in das Öl eindringt, kann das Auto in kalten Monaten liegen bleiben oder springt erst gar nicht an. Es lohnt sich daher überhaupt nicht, mit der Reparatur zu zögern. Sobald der Defekt erkannt wurde, muss es beseitigt werden. Daran führt kein Weg vorbei.

Fazit

Die Zylinderkopfdichtung befindet sich zwischen dem Motorblock und dem Zylinderkopf. Dort dichtete es den Verbrennungsraum, das Kühlsystem und den Motorölkreislauf ab. Ist die Kopfdichtung defekt, kann Kühlwasser und Motoröl austreten. Dadurch nehmen oft weitere Bauteile mit der Zeit Schaden. Im schlimmsten Fall führt der Defekt zu einem Schaden im Motor. Sobald die ersten Anzeichen bemerkbar werden, sollte man sich so schnell wie möglich, in eine Fachwerkstatt begeben. Die Kosten für die Reparatur liegen in einem Bereich von 500 bis 1.500 Euro. Wer die Reparatur zu lange aufschiebt, riskiert einen Motorschaden, der vor allem für ältere Fahrzeuge einem wirtschaftlichen Totalschaden gleichkommt.

Zusammenfassung: Anzeichen einer defekten Kopfdichtung

  • Öl im Kühlwasser (manchmal Schaum im Kühlwasserbehälter)
  • Wasser im Ölkreislauf (Schaum im Ölbehälter)
  • Verfärbung der Abgase
  • Schlechter und unruhiger Motorlauf
  • Kühlmitteltemperaturanzeige schnell im roten Bereich
  • Feuchtigkeit am Motorblock

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